Poetisches zum vergangenen Adventkonzert

Liebe Freunde des Chores,
von unserem langjährigen Mitglied Albin Bartel haben wir ein besonderes Feedback zu unserem Adventkonzert am 08.12.2012 bekommen, welches wir euch nicht vorenthalten wollen:

Wie seltsam! Naht die Weihnachtszeit,
fühlt jedermann, es ist so weit:

Ins nüchterne, profane Leben
verirrt sich ein geheimes Weben,
das uns´ren Sinn nach innen lenkt
und grad darum nach Ausdruck drängt.

Hier bietet sich zu uns´rem Glück
die Welt der Töne, die Musik.
Sie einzusetzen wird gewahr
die ihr ergeb´ne Jüngerschar.

Wie üblich beim Gesangverein
studiert er schöne Chöre ein
und strahlt sie in geweihtem Haus
vor eingestimmten Hörern aus.

Berührt genießt das Publikum
nun Lied um Lied. Dazwischen stumm,
nicht durch Applaus das Flair zu stören,
bereit, noch lange zuzuhören.

Doch schließlich ist es fast vorbei.
Noch e i n e  Weihnachtsmelodei
soll feierlicher Abschluß sein
vorm Heimweg  vom Gesangverein.

Die Dirigentin hebt die Hand,
das Rund der Hörer lauscht gespannt –
und sperrt gleich drauf die Mäuler auf:
Nein!  D a s  steht auf den Noten drauf???

Der Chor hat plötzlich sich geteilt,
ist in zwei Richtungen enteilt,
die eine trifft aufs linke Ohr,
aufs rechte dröhnt der andre Chor.

Und das ist „Oh du fröhliche …“?
pardon, fast „Oh du gröhliche …“?

Die Leiterin streckt hoch die Arme,
auf daß der Himmel sich erbarme,
was dieser einsichtsvoll auch tut.
Es wird ganz still. Und das tut gut.

Und jedermann, der nicht grad döst,
ist froh, wie schnell sich alles löst,
so daß nach neuem Einsatzzeichen
die Töne alten Glanz erreichen.

Doch denk´ ans Chaos ich zurück,
an jenen kurzen Augenblick,
dann komm´ ich nicht darum herum,
zu schielen auf das Publikum.

Die einen fühlten sich im Glück:
Die Freunde der Zwölftonmusik,
die´s ehrlich freut, wenn nebst den alten
auch neue Töne Einzug halten.

Für andre war´s gewollt: Ein Test,
der Wissende tief blicken läßt,
wie weit denn das Verständnis geht
in Richtung Musikalität.

Und einsichtsvoll erklärt der Rest:
Errare halt humanum est.

Artistenkunst schmeckt grad gewürzt,
ist der Artist mal abgestürzt,
wo jeder endlich erst versteht,
wie nah die Kunst an Grenzen geht.

So hört es jeder mit Humor,
nimmt es als Gag, das kommt halt vor.
Der Chor bewies ja, was er kann,
da kommt´s nicht auf ein Läps-chen an.

Das Resümee? Man sieht´s bei allen:
Applaus und Lob und Wohlgefallen!
Auf daß dies alles weiter blüh´
als Lohn für Eure Liebesmüh´!

von Albin Bartel (92 Jahre)

Herzlichen Dank für dieses poetische Schmankerl!

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